Sylvain Neuvel: Sleeping Giants



Der Auftakt zu einer frischen YA Sci-Fi Serie mit guten Ideen, viel Spannung und einer gewöhnungsbedürftigen Umsetzung.

Sylvain Neuvel, Sleeping Giants

Titel: Sleeping Giants (The Themis Files #1)

Autor: Sylvain Neuvel

Verlag: Michael Joseph, Penguin Books

Inhalt: Als die kleine Rose eines Abends beim Spielen in einer Höhle eine gewaltige Metallhand entdeckt, ahnt sie noch nicht, dass dieser Fund ihr ganzes Leben verändern wird. Siebzehn Jahre später will sie, inzwischen eine herausragende Physikerin, das noch immer ungelöste Rätsel aufklären. Gemeinsam mit einem Expertenteam aus Wissenschaftlern und Militärs findet Rose heraus, dass die Hand zu einem riesigen Roboter gehört, dessen Körperteile über den ganzen Globus verteilt sind. Doch wer hat den Roboter gebaut? Wann wurde er in der Erde vergraben? Und was bedeuten die seltsamen Zeichen auf dem Metall?

“I was smart enough to know it was wrong, but not brave enough to stop them.”

neuvelSchon lange hat mich dieses Buch mit dem wunderschönen Cover gelockt und meinen Namen gerufen, als ich es dann bei Tauschticket erspäht habe, kam es dann auch endlich zur mir. 🙂 Ich wusste im Vorhinein, dass dieses Buch etwas ungewöhnlich war, da es nicht als durchlaufende Erzählung, sondern als eine Aneinanderreihung von Interviews und auch gelegentlichen Audiotranskripten, geschrieben ist. Zunächst war ich skeptisch, ob so etwas funktioniert. Es hat auch funktioniert, allerdings habe ich mir wohl irgendwie etwas mehr erwartet. Man hat auch leider nicht, wie bei der 1. oder 3. Person POV, Einblicke in die Gefühlswelten der Charaktere, was gelegentlich schon ein wenig stört. Die einzig richtigen Einblicke bekommt man durch die Transkriptionen, die es aber auch nicht oft und auch nicht von allen Charakteren gibt. Die Interviews wirken authentisch und realistisch, die Transkripte der Audioaufnahmen ebenso. Generell ist an der gesamten Story auch nichts auszusetzen, es gibt aber einige Teile, die ich problematisch finde.

“I never understood why people use words they do not understand.”

Spoilerwarnung! (weiterscrollen für ein spoilerfreies Fazit) Zunächst einmal die Versenkung des Riesen. Okay, die Menschheit ist wohl noch nicht bereit dafür, ein solches Objekt an der Erdoberfläche herumstolzieren zu lassen. Aber den Roboter einfach zu versenken, „bis die Menschheit wieder ein bisschen weiter ist und u.a. auch fähig, riesenschwere Sachen aus dem Ozean zu fischen“? War wohl für den Autor im Endeffekt keine gute Entscheidung, da er sie kurz darauf revidiert hat und der Riese sollte wieder heraus aus dem Meer! Und da die Technik noch nicht so weit war, macht man dann das, wozu die Menschheit vorher noch nicht fähig war, und verbündet sich, um das Ding wieder heraufzuholen… Dann gab es noch einen weiteren Kritikpunkt für mich: Die Genetikerin des Teams, die offensichtlich nicht für diesen Job geeignet war, da sie fragwürdige Ansichten hat und noch fragwürdigere Experimente an den Piloten betreibt, wird aufgrund dessen zunächst nach Griechenland abgeschoben, nur um später wieder dazu geholt zu werden, wobei sie dann das gesamte Projekt gegen die Wand fährt.. Hier war ich nicht so ganz dabei. Es gibt auch noch einen losen Faden, der hoffentlich im zweiten Band wieder aufgenommen wird: und zwar soll Kara nach einer Frau namens Fata suchen, die sie auch gefunden hat, wie wir später erfahren (wir erfahren nichts über diese Reise, haben auch keine Aufnahmen o.ä. von Kara, die uns irgendwelche Informationen geben), aber uns als Leser bleibt der Grund dafür verborgen. Lediglich eine Andeutung gibt es, und zwar, dass es einen Zusammenhang zwischen der Genetikerin, der geheimnisvollen Fata, und dem Srebrenica Massaker geben soll. Am Ende gibt es noch eine ziemlich interessante Begebenheit, nämlich taucht die eigentlich verunfallte (und gestorbene) Leiterin des Teams, Dr. Franklin, wieder auf, oder vielleicht auch nur ein Klon oder eine alternative Version…?

Spoilerfreies Fazit: Ein guter Start in eine neue Trilogie! Trotz einiger Absonderlichkeiten bin ich schon sehr gespannt, wie es mit dem Sleeping Giant weiter geht und was noch alles mit der Crew passieren wird und vor allem, ob die losen Story-Stränge noch behandelt werden. Das heißt, bis April erst mal auf heißen Kohlen schmoren, bis Band 2 erscheint, und auf Auflösung hoffen! 3,5/5 Sternen.

Band 2, „Waking Gods“, habe ich auch rezensiert.

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Sylvain Neuvel, "Sleeping Giants", Michael Joseph/Penguin Books, ISBN: 9780718181697.

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