Wrath James White: Population Zero



Mit dem Protagonisten als Paradebeispiel für Extremismus bespricht White hier ein brandaktuelles Thema, das uns alle betrifft.

Wrath James White, Population Zero

Die unglaublich sadistische Geschichte eines Mannes, der die weltweite Überbevölkerung in den Griff bekommen will, indem er alle Frauen sterilisiert! … In 50 Jahren werden doppelt so viele Menschen auf der Erde leben wie heute. Für den Umweltaktivisten Todd Hammerstein ist das eine unerträgliche Vorstellung. Schon als kleiner Junge hat er gelernt, dass durch Kastration die ungebremste Fortpflanzung von Katzen und Hunden gestoppt werden kann. Warum sollte das nicht auch beim Menschen funktionieren? Als Sachbearbeiter im Sozialamt erlebt er täglich, wie Familien Nachwuchs in die Welt setzen und dann finanzielle Unterstützung vom Staat benötigen. Irgendwann hat er genug und beschließt, der Menschheit einen Dienst zu erweisen. Mit Werkzeugen aus dem Baumarkt und Anleitungen aus dem Internet setzt er seine perverse Mission in die Tat um. (zur Verlagsseite)

Wrath James White, Population Zero Cover

Im Zuge meiner „Lesen außerhalb der Komfortzone“-Aktion habe ich meine Jagdgebiete etwas erweitert und bin auf der Suche nach einem neuen Titel, der zu der Aktion passt, auf „Population Zero“ von Wrath James White aus dem FESTA Verlag gestoßen. Der FESTA Verlag veröffentlicht jede Menge Thriller, Horrorbücher und auch Dark Fantasy (oder wie nennt man das Genre um H.P. Lovecraft?), aber auch absonderliche Romane und welche, die einfach nur „extrem“ sind, wie der Titel der gleichnamigen Buchreihe schon sagt. In dieser Reihe ist auch „Population Zero“ erschienen. Der Klappentext hat mich direkt angesprochen, obwohl ich doch etwas zögerlich war, ob Sterilisation an Menschen, die von irgendeinem Verrückten vorgenommen werden, wirklich so angenehm zu lesen sind. Spoiler: Sind sie nicht, aber das Buch ist trotzdem sehr lesens- und empfehlenswert! Warnung: Es werden im Folgenden einige extreme Ansichten und teilweise auch unangenehme Situationen besprochen. Da das Buch erst ab 18 ist, überlegt euch, ob ihr weiterlesen möchtet.

Es geht um den Umweltaktivisten Todd, der eine anonymen Vereinigung anhört, die das Manifesto „Population Zero“ als ihren Lebensinhalt ansehen. In diesem wird beschrieben, wie in 50 Jahren die Überbevölkerung die Welt zu Grunde richtet und welche Maßnahmen ergriffen werden sollten. Der Autor dieses Werkes steht ständig im Rampenlicht für seine extremen Ansichten und ist Todds Idol. Ganz nach seinem Vorbild möchte er auch seinen Beitrag dazu leisten, dass die Erde auch für kommende Generationen noch ein guter Ort ist und dass die Überbevölkerung eingedämmt wird. Tagsüber ist Todd ein Sozialarbeiter, der tagein, tagaus mit der unteren Schicht der Bevölkerung zu kämpfen hat. Täglich dieselben „fetten Schlampen“ (Zitat aus dem Buch) und Junkies, die ihre schwangeren Bäuche zu ihm ins Büro tragen und Geld fordern für ein Kind, das sie genauso wenig ernähren können wie die anderen drei, die bereits daheim sitzen. Irgendwann platzt Todd der Kragen und er bietet der Dame vor ihm sofortige Sozialschecks an, wenn sie ihr Baby abtreiben und sich gleich noch sterilisieren lässt. Die Dame nimmt an. Das gibt Todd zu denken. Als jedoch ein Kunde nach dem anderen sein Angebot ablehnt, beschließt er, selbst aktiv zu werden und die unseligen Kinder eigenhändig abzutreiben und dafür zu sorgen, dass diese Menschen keine weiteren Kinder bekommen können…

Todd war erstaunt, dass es nicht das Geringste in ihm auslöste. Aus irgendeinem Grund vermochte das Elend eines Einzelnen ihn offenbar nicht zu berühren, nicht solange jedes Jahr 50.000 Tier- und Pflanzenarten ausstarben, weil die Menschen Regenwälder abholzten und an ihrer Stelle Rinderfarmen hochzogen, damit fette Schlampen wie diese ihre Cheeseburger bekamen.

Todd ist seit seiner Kindheit traumatisiert. Traumatisiert davon, dass sein Vater die Babys seiner geliebten Hündin Honey weggeben bzw. „erlösen“ wollte und davon, dass seine Mutter, schwanger von einem anderen Mann, ihr Baby kurz vor der Geburt mit einem Draht-Kleiderbügel abtreiben wollte und dabei verblutete. Und damit noch nicht genug; sein Vater begang kurz darauf Selbstmord. Todd wuchs also ohne Eltern auf, ohne Wertvorstellungen, ohne tiefere moralische Überzeugungen. Das Einzige, was ihm bisher einen Sinn zu leben gegeben hat, ist das Manifesto „Population Zero“ und das dazugehörige Forum, in denen extreme Maßnahmen erläutert und besprochen werden, um die Bevölkerung am Wachsen zu hindern. Als sein Idol, Autor von „Population Zero“, ins Gefängnis wandert, weil dieser ein neues Medikament in die Wasserversorgungswerke gestreut hat, das das Verkleben der Eileiter und somit Unfruchtbarkeit herbeiführt, ist Todd geschockt. Wer soll sich jetzt im großen Maßstab um diese Angelegenheit kümmern? Kann er etwas unternehmen? Und bringt sein Beitrag überhaupt etwas fürs große Ganze? Nachdem er im Forum von seinem Idol (vor seiner Verhaftung) Zuspruch zu der Idee, Frauen und Männer einfach eigenhändig zu kastrieren bzw. zu sterilisieren, erhalten hat, versinkt Todd immer weiter in eine Spirale des Wahnsinns, aus der er sich nicht mehr zu retten vermag.

Was lief nur falsch in unserer Gesellschaft, dass man diesem Lumpenpack erlaubte, sich fortzupflanzen?

Ein Massaker in einem Heim für erwerbslose, junge Schwangere bildet den Gipfel des Eisbergs. Hier möchte ich aufhören, den Inhalt zu besprechen. Zum Einen, weil es schon sehr blutig und eklig wird, zum Anderen, weil ich euch natürlich auch nicht den kompletten Inhalt verraten möchte. 🙂 Wrath James White erzählt Todds Geschichte jedenfalls in so einer wuchtigen, erbarmunglosen und gnadenlos direkten Sprache, und ich muss gestehen, dass ich das doch recht schlanke (~160 Seiten) Büchlein an einem Abend gelesen habe. Die Erzählung lässt einen aber auch nicht los. White erzählt hier nicht von etwas Fiktivem, sondern von Tatsachen. Die Überbevölkerung ist ein Problem und die Zukunft sieht für uns alle nicht rosig aus. Nahrungsmittelknappheit ist nur ein Thema, mit dem wir uns womöglich schon bald auseinandersetzen müssen. Der Grundgedanke, dass man etwas gegen diese Überbevölkerung tun muss, ist ein guter, jedoch treibt die Extremistengruppe der Umweltschützer es hier zu weit. Natürlich ist das hier eine stilistische Überspitzung, ohne diese gäbe es den Roman nicht, aber teilweise kam es mir schon sehr krass vor, was Todd so „fabriziert“ hat.

„Wenn wir Honeys Junge töten müssen, um zu verhindern, dass es zu viele Hunde gibt, warum tun wir dann nicht dasselbe mit den Menschen? […] Was wird passieren, Daddy? Was geschieht, wenn es nicht mehr genügend Platz gibt? Was geschieht, wenn nicht mehr genug Nahrung für alle da ist?“

Fazit: Mit „Population Zero“ hat Wrath James White einen extremen Roman geschrieben, der mich echt umgehauen hat. Als erstes Buch der etwas „extremeren“ Literatur muss ich sagen, hat es mich doch völlig überzeugt! Der Sumpf des Wahnsinns, in den Todd immer tiefer hineingezogen wird, bis er schlussendlich nicht einmal mehr seine eigenen Taten hinterfragt, übt auch einen Sog auf den Leser aus, der fast schon genötigt wird, „nur noch ein Kapitel“ zu lesen. Mit einer knallharten Sprache und Erzählweise schildert White hier nicht bloße Fantasiegespinste, sondern leider die gruselige Realität, was diesen Roman spannend für jeden macht. Allerdings sollte man sich bewusst sein, dass die Buchreihe nicht umsonst „FESTA extrem“ heißt, das Buch keine ISBN aufweist, da es sich um einen Privatdruck handelt und nur im Shop und ab 18 Jahren verkauft wird. 😉 Nichts für schwache Nerven oder Menschen, die sich möglicherweise vor Amateur-Operationen beim „Patienten“ daheim ekeln. Ich muss zugeben, dass ich ab und an mal eine Zeile oder zwei überfliegen musste, aber ich denke, als „Anfänger“ in dem Genre habe ich mich recht gut geschlagen. Zumal „Population Zero“ auch ein klasse Buch ist! Zu empfehlen für alle, die einen festen Magen haben, mit den geschilderten Handlungen psychisch klar kommen und vor allem eine spannende Story lesen wollen.

„Ich finde, jeder sollte schwul sein. Keiner sollte je Nachkommen zeugen. Vermutlich ist Homosexualität eine natürlich Anpassung an die Umwelt, das Gegenmittel der Natur zur Überbevölkerung. Jeder, der sich fortpflanzt, während die Welt aus allen Nähten bricht, ist ein egoistisches Arschloch.“

 

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Titel: Population Zero
Autor: Wrath James White
FESTA Verlag
Paperback, 160 Seiten
ohne ISBN; Privatdruck
Erschienen: 28.10.2014

Dieses Rezensionsexemplar wurde mir freundlicherweise vom FESTA Verlag zur Verfügung gestellt. Vielen Dank!

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