Rezension // Kurz & Knapp: Larry Browns "JOE" – KillMonotony Buchblog
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    Kurz & Knapp: Larry Browns “JOE”

    Larry Brown, JOE
    Lesezeit: 4 Min.

    Bevor das Jahr zu Ende geht, möchte ich noch meinen dringenden SUB etwas minimieren oder möglichst eliminieren. Deshalb habe ich in der Sidebar ein kleines Feld eingebaut, wo ich alle Bücher aufliste, die ich schnellstmöglich lesen will. Und damit nicht der SUB schrumpft, aber dafür der ausstehende Rezensionsstapel ins Unermessliche wächst, habe ich soeben beschlossen, dass ich jedes beendete Buch (sofern möglich) sofort bespreche. Dann mal los!

     

    Larry Brown, Joe Cover

    Worum geht’s?

    Gary Jones schätzt sein eigenes Alter auf etwa fünfzehn. Zusammen mit seinem gewalttätigen Vater, einer apathischen Mutter und seinen beiden kleinen Schwestern zieht er obdachlos und ohne Chance auf ein anständiges Leben durch den Süden der USA. Bis er auf den Ex-Häftling Joe Ransom trifft, der sein eigenes Leben auf die Reihe zu bekommen versucht. Joe gibt dem eifrigen Jungen einen Aushilfsjob und nimmt ihn unter seine Fittiche. Doch Garys Vater ist damit alles andere als einverstanden.

    Klappentext Plus

    Nachdem ich letztes Jahr von Larry Browns Buch “FAY” so überrascht und begeistert war, musste ich natürlich auch sofort “JOE” lesen. “JOE” ist technisch gesehen der Vorgänger zu “FAY”, falls man es so nennen kann. Das Buch ist bereits 1991 im Original erschienen, “FAY” allerdings erst 2016. In “JOE” nimmt den Leser sofort das Südstaatenflair in Beschlag, über das ich bei “FAY” noch so gestaunt habe. Trockene Felder, Hitze, alles ist irgendwie rückständig und die Ortschaften liegen weit auseinander. Jeder hat mindestens eine Knarre und Dreck am Stecken. Was ich bei “FAY” geliebt habe, kommt in Larry Browns neuem (alten) Roman genauso zurück. Und nach einigen Seiten wird mir auch klar, dass ich bereits einen Charakter aus dem Buch bereits kenne: nämlich Fay höchstpersönlich. In “FAY” erfahren wir über Selbige, dass sie ihre verlotterte Familie, die in einer maroden Hütte im Wald haust, verlassen hat, und “JOE” erzählt quasi die Vorgeschichte über diese Familie, wobei wir auch nicht alles erfahren. Die Geschichte dreht sich größtenteils um Gary, Fays großem Bruder, und ihren Vater, der oftmals einfach nur “der Alte” genannt wird. Der Alte ist ein Säufer, schämt sich nicht dafür, Gary das hart verdiente Geld abzuknöpfen und dafür Whiskey und Zigaretten zu kaufen. Wie und ob seine Familie irgendwie überlebt, ist ihm eigentlich egal. Doch Gary hat größere Ziele vor Augen, und so beginnt er, beim titelgebenden Joe zu arbeiten, sich Geld zusammenzusparen für ein Auto, um wegzukommen aus dem Loch, in das sein Vater die gesamte Familie hineingezogen hat. Fay macht sich irgendwann aus dem Staub und lässt ihre psychisch labile Mutter und ihre kleine Schwester Dorothy zurück. Und während Gary aufstrebt, die Familie ernähren kann und einem besseren Leben entgegenläuft, sorgt sein Vater dafür, das alles zunichte zu machen. Er betrügt Leute auf der Straße um Geld, prostituiert seine eigene Tochter, verkauft sein Baby, klaut Garys Geld, und es gibt keine Aussicht auf Besserung. Gary wächst ohne Bildung und ohne die elementarsten Dinge auf, und so lernt er mit sechzehn Jahren von einer Prostituierten, was eine Zahnbürste ist und wie und wieso man sich die Zähne putzt. Ein erschreckendes Bild.

    Wie hat es mir gefallen?

    Im Gegensatz zu “FAY” konnte mich Larry Browns in Deutschland jüngst erschienenes Buch leider nicht abholen. Angefangen damit, dass es keinen klaren Handlungsstrang gibt; wir verfolgen das Leben von Joe, Gary und dem Alten und erhaschen hin und wieder Einblicke auf das Familienleben. Eine klare Richtung oder ein Ziel haben die jeweiligen Charaktere nicht. So gut mir dieses raue Setting auch wieder gefallen hat, zu wenig Fokus wurde gelegt auf das Schicksal von Gary. Immer wieder habe ich mich über den Alten geärgert und irgendwie hat keine Charakterentwicklung stattgefunden, was sehr schade ist. Klar, “JOE” ist ebensowenig ein Wohlfühlroman mit Happy End wie “FAY”, aber während “FAY” überrascht und geschockt hat, hat Larry Brown hier einige blutige Szenen mit Tierkadavern einbauen müssen(?), damit die Handlung nicht vor sich hin plätschert und der Leser aufmerksam bleibt. Alles in allem bin ich ein wenig enttäuscht, nach so einem starken Roman letztes Jahr hatte ich mich richtig auf “JOE” gefreut. Dieses Buch wurde tatsächlich auch bereits verfilmt (mit Nicholas Cage), und obwohl ich schon ein wenig neugierig bin, glaube ich doch, dass ich hier passe.

    Larry Brown, JOE. Heyne Hardcore. Gebundenes Buch, 352 Seiten, ISBN: 9783453271760. Erschienen am 29.10.18. Zur Verlagsseite

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