Rezension // Wie gut, dass wir darüber geredet haben – KillMonotony Buchblog
  • Rezension

    Wie gut, dass wir darüber geredet haben

    Lesezeit: 4 Min.
    Ein wunderbar gezeichneter Comic, in dem wir uns wohl alle irgendwo wiederfinden können.

     

    Wie gut, dass wir darüber geredet haben ist ein Manifest der Lethargie, der Depression und der gescheiterten Kommunikation. Es ist ein Universum aus gehässiger Oma, liebevoll diarrhöischem Mops und passiv- aggressiver Zimmerpflanze. Wer jemals nicht genau wusste, was er mit seinem Leben anfangen soll, wird sich hier wohl oder übel wiederfinden. In zehn skurrilen, lakonisch erzählten Szenen zeigt Julia Bernhard die Welt ihrer Protagonistin: eine Sammlung von alltäglichen, beißenden Dialogen und Monologen über Kunstprojekte, Affären, Beziehungsdramen und Prokrastination.

    Wie-gut-julia-bernhard

    Dieser Comic hat doch direkt aus dem Herbstprogramm des Avant Verlags hinaus nach mir gerufen: die tollen Farben, der Zeichenstil der Autorin und dann noch dieser Klappentext! “Wie gut, dass wir darüber geredet haben” ist das Debüt der Künstlerin und Autorin Julia Bernhard. Auf 96 Seiten lässt sie uns teilhaben an unangenehmen Konversationen, wie wir sie bestimmt alle bereits einmal geführt haben. Sei es die Freundin, die vielleicht doch ein wenig toxisch ist, die Oma, deren Erwartungshaltung noch in den 50ern feststeckt oder die Blume, die wir mal wieder vergessen haben zu gießen: Das Leben bietet uns zahllose Situationen, in denen wir uns einfach nur verkriechen wollen. Weg von Druck, stereotypen Rollenbildern und der ewigen Frage “Wann bist du mit dem Studium fertig?” Diese Erwartungshaltungen, die leider nicht nur die Oma hochhält, sondern auch die ganze, ach-so-tolerante Gesellschaft, die es irgendwie immer schafft, einen fertigzumachen. Und das spürt auch Bernhards Protagonistin, die sich kurzerhand schlicht in ihr Sofa vergräbt.

    Was studierst du denn noch gleich? Du hattest mir das mal erklärt, aber ich hab mir nur gemerkt, dass man damit arbeitslos wird.

    Julia Bernhard, Wie gut, dass wir darüber geredet haben

    Julia Bernhard porträtiert in einer ganz wunderbaren Farbgebung den Wahnsinn des Alltags, jede einzelne Szene sitzt. Keiner der Gesprächspartner der Protagonistin scheint richtig zuzuhören, irgendwie dreht sich jede Konversation im Kreis, der Titel ist hier Programm. Dass unsere moderne und vermeintlich aufgeklärte Gesellschaft ein Problem hat, Dinge an- und auszusprechen und sich auf irgendetwas festzulegen, sehen wir an zahlreichen Stellen in diesem Comic. Da ist beispielsweise die Freundin unserer Protagonistin, die mit ihr Schluss macht – aber irgendwie auch nicht, denn zum Schlussmachen braucht es ja erst einmal eine Beziehung. Unsere Protagonistin wird hin und her geworfen in unnötigen Konversationen, die im Endeffekt auf die Psyche gehen. Selbst die Pflanze und der Toaster sind mit der Gesamtsituation unzufrieden.

    Julia Bernhard, Wie gut, dass wir darüber geredet haben

    Julia Bernhard, Wie gut, dass wir darüber geredet haben

    Fazit: “Wie gut, dass wir darüber geredet haben” ist ein Comic, wie er realistischer nicht sein könnte. Alle dargestellten Szenen wirken so, als wären sie direkt aus meinem Alltag gegriffen und ich denke, dies trifft auf jeden zu! Ein tolles Debüt, das uns Julia Bernhard hier vorgelegt hat! Von mir gibt es eine klare Leseempfehlung. ♥

    katzekatzekatzekatzekatze

    Dieses Buch wurde mir freundlicherweise vom Avant Verlag als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Vielen Dank!

    Julia Bernhard / Wie gut, dass wir darüber geredet haben / Avant Verlag / Softcover, 96 Seiten / ISBN: 978-3-96445-014-2 / Erschienen am 01.08.19 / zur Verlagsseite

  • Dir könnte auch gefallen...

    Keine Kommentare

    Kommentar verfassen

    Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

    %d Bloggern gefällt das: