Bücher unter dem Radar: Hochhäuser & die Kunst



Heute stelle ich euch zwei Titel vor, die ich in der letzten Zeit gelesen habe, die mir allerdings beide nicht unbedingt zugesagt haben. Dennoch möchte ich euch die beiden Romane nicht vorenthalten. Es geht um Julia von Lucadous „Die Hochhausspringerin“, das kürzlich im Hanser Verlag erschienen ist, sowie das ebenfalls aktuelle „In ihrer Erinnerung war Japan eine Mischung aus Rosa und Grün“ von Rowan Hisayo Buchanan.

Rowan Hisayo Buchanan & Julia von Lucadou

 

Rowan Hisayo Buchanan, „In ihrer Erinnerung war Japan eine Mischung aus Rosa und Grün“

Rowan Hisayo Buchanan, In ihrer Erinnerung war Japan eine Mischung aus Rosa und Grün Cover

Worum geht’s?

Yuki ist ein durchschnittliches, eher unauffälliges Mädchen Mitte der 60er Jahre. Ihre Eltern haben sie mit in die Vereinigten Staaten genommen und sie vermisst ihre Heimat Japan sehr, da sie in den USA keinen Anschluss gefunden hat und immer die Außenseiterin gewesen ist. Kurz bevor ihre Eltern zurück in die Heimat wollen, lernt sie Odile kennen und fasst den Beschluss, in Amerika zurückzubleiben, jetzt, wo sie eine Freundin gefunden hat. Doch schnell wird der Traum zum Alptraum, denn Odile ist immer seltener Zuhause, da sie eine Karriere als Model zu beginnen scheint, Odiles Mutter beachtet sie auch nicht wirklich. Lediglich ihr Freund, Lou, scheint sich für Yuki zu interessieren. Und so taucht sie ab in eine Welt der Kunst, der häuslichen Gewalt und der unerfüllten Träume. Parallel dazu wird die Geschichte von Jay, Yukis Sohn, erzählt, der sich auf den Weg nach Berlin macht, um seine Mutter zu finden, die ihn mit zwei Jahren verlassen hat.

Wie hat es mir gefallen?

„In ihrer Erinnerung war Japan eine Mischung aus Rosa und Grün“ von Rowan Hisayo Buchanan (was für eine Zeichenlänge!) war nicht mein Buch. Während es noch relativ interessant gestartet ist, mit Yukis familiärer Situation, ihrer tiefen Trauer und Einsamkeit, hat mich die parallele Handlung mit Jay eher weniger interessiert. Er ist gerade Vater geworden, kann sein Baby, „den Fleischsack“, nicht leiden, will nach 30 Jahren aber seine Mutter aufsuchen, um offene Wunden zu schließen. In Yukis Handlungsstrang gibt es sehr viele Passagen, die mich gestört haben, oder bei denen ich mich gefragt habe, wie eine junge Frau denn so träge sein kann — nicht im Sinne von faul, sondern handlungsträge. Yuki lässt sich herumstoßen wie eine Puppe, lässt sich behandeln wie Dreck und schwebt dabei auf Wolke sieben. Sie versucht in keinem Moment, ein selbstbestimmtes Leben zu führen, sondern lässt sich nur von einer Person in ihren nächsten Lebensabschnitt hieven. Nein, sorry, da bin ich leider raus. Da mir Jays Part auch nicht zugesagt hat, hat diese mangelnde Charakterentwicklung für mich leider das Aus für dieses Buch bedeutet. Einzig gut fand ich die Sprache, die Autorin hat einen gut zu lesenden, flüssigen Schreibstil, ansonsten war das Buch leider ein Flop für mich.

Rowan Hisayo Buchanan, In ihrer Erinnerung war Japan eine Mischung aus Rosa und Grün. btb Verlag. Taschenbuch, 379 Seiten. ISBN: 9783442716739. Erschienen am 13.08.18. zur Verlagsseite

 


 

Julia von Lucadou, „Die Hochhausspringerin“

Julia von Lucadou, Die Hochhaus-Sppringerin Cover

Worum geht’s?

Riva ist Hochhausspringerin. Oder vielmehr war es. Seit kurzem verweigert sie das Training, vergräbt sich in ihrer Wohnung und begibt sich nicht mehr nach draußen. Hitomi soll nun herausfinden, wieso und weshalb das so ist. Da wir uns ein Stückchen weit in der Zukunft befinden, stehen Hitomi als Therapeutin von PsySolutions allerhand Beobachtungstools und Datenanalysen zur Verfügung, anhand derer sie Rivas komplettes Leben überwachen kann. Doch sie findet die Ursache für die plötzliche Depression der früher so erfolgreichen Hochhausspringerin nicht. Hitomi fällt immer tiefer in ein Loch aus Stress, Zukunftsangst und Burnout, dass alles um sie herum zu bröckeln beginnt. Kann sie den Fall „Riva“ noch lösen oder verliert sie unweigerlich alle Privilegien, die sie sich hart erarbeitet hat?

Wie hat es mir gefallen?

Schöne neue Welt oder eher „gähn“? Leider letzteres. Julia von Lucadous Roman „Die Hochhausspringerin“ gibt uns einen Ausblick in eine mögliche Zukunft. Alles wird überwacht, Ausgeglichenheit und Angepasstheit ist ein Muss, sonst heißt es „Ab in die Peripherien!“ — die unansehlichen Außenbezirke der Stadt, wo alle Menschen leben, die es im Stadtkern zu nichts gebracht haben (oder das schlicht nicht wollen). In dieser Welt gibt es zum einen Riva, die mit ihrem Status als IT-Girl eigentlich glücklich sein müsste, und ihrer Überwacherin Hitomi, die sich so wohl fühlt im System, aber in ein tiefes Loch der Depression fällt, als sie ihren Job nicht erfüllen kann. Und obwohl „Die Hochhausspringerin“ mit einem sehr guten Schreibstil und einem guten Aufbau der Geschichte, gibt es doch diesen zähen Mittelteil, in dem gefühlt gar nichts passiert, Hitomi lediglich tiefer und tiefer fällt. Natürlich gibt es allerhand Kritikpunkte an unserer Gesellschaft und Julia von Lucadous Welt hätte durchaus Potential für eine spannende Story gehabt, aber mit diesen beiden Charakteren fand ich die Geschichte leider nur träge. Am Ende blieben seltsame Story-Fäden unaufgelöst und ein enttäuschtes Gefühl machte sich breit.

Julia von Lucadou, Die Hochhausspringerin. Hanser Verlag. Gebundenes Buch mit Schutzumschlag, 282 Seiten. ISBN: 9783446260399. Erschienen: 23.07.18. zur Verlagsseite

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4 Kommentare

  1. Hallo liebe Tina

    Das ärgert mich nun also besonders, dass dir „Die Hochhausspringerin“ nicht gefallen hat… Dann klappt es aber hoffentlich beim nächsten Buch.

    Alles Liebe dir
    Livia

    1. Hallo Livia!

      Ach nein, ärgere dich nicht! Nach Klappentext und Leseprobe zu urteilen, hätte das eigentlich mein nächstes Lieblingsbuch sein müssen! Nur leider hat sich herausgestellt, dass sich der Stil nach der Leseprobe kontinuierlich verändert hat und irgendwie viele Plotholes und mangelnde Erklärungen den Lesespaß gemindert haben. 🙁

      Ein großes Dankeschön aber an dieser Stelle nochmal an dich, dass du eine tolle Aktion ins Leben gerufen und ich so ein wunderbares Paket von dir erhalten habe! <3

      Viele liebe Grüße aus dem (etwas regnerischen) Hessen!
      Tina

  2. Liebe Tina,
    Oh je, dass ist ja schade, dass dir „Die Hochhausspringerin“ nicht gefallen hat. Das Buch ist gerade bei mir angekommen und ich freue mich so sehr auf die Lektüre. Der Klappentext klingt so gut und ich verspreche mir sehr viel von dem Buch. Jetzt habe ich ein bisschen Angst… ;D
    Hoffentlich gefällt es mir besser als dir. Na mal sehen. Ich bin jetzt auf jeden Fall noch neugieriger auf die Geschichte.
    Liebe Grüße, Julia

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